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Die
zweite Massnahme aber entfernt die Werke von diesen Positionen:
Durch die Manipulation der Fokusautomatik wird das Licht zwar
ein weiteres Mal wie plastisches Material geformt. Klare scharf
begrenzte geometrische Formen geraten ins Schwingen, beginnen
zu "atmen".
Dies
stellt eine Weiterentwicklung von Arbeiten Camenischs wie
beispielsweise Projektion1 von 1998 dar. Dort warf
ein von der Decke herab pendelnder Diaprojektor einen Lichtkreis
auf ein an die Wand gemaltes schwarzes Kreisfeld. Jedesmal
wenn der Lichtkreis über die Grenzen des schwarzen Feldes
ausschlug, bildete sich rechts bzw. links von diesem ein Kreissegment,
das an eine Mondsichel gemahnte.
Ausgehend
von dieser Grundkonstellation hat Camenisch in den folgenden
Jahren ihr Instrumentarium und ihren Formenschatz erweitert.
So
gelang es ihr in der Arbeit Blau. Projektion 10 von 2001/2002
durch die Manipulation der Fokusautomatik eines Diaprojektors
nicht nur, das Unregelmässige der von Hand in Gang gesetzten
Pendelbewegung früherer "Projektionen" zu überwinden. Durch
das An- und Abschwellen des blauen Farbfeldes, das Scharf-
und wieder Unscharfwerden seiner Ränder kamen Assoziationen
mit den regelmässigen Rhythmen lebendiger Organismen ins Spiel.
Und überdies wurde die Wand als Raumbegrenzung aufgelöst und
ein Ausblick auf eine imaginäre Weite geöffnet.
In
Projektion 12 und Projektion 13 von 2002 schliesslich führte
der Einsatz mehrerer Dia-projektoren zu räumlichen Illusion
perspektivisch gesehener Körper, die durch die Fokusverschiebung
ihr Volumen und ihren Ort zu ändern schienen.
Es
ist beeindruckend zu sehen, wie Christine Camenisch mit diesem
minimalen Instrumentarium stets andersartige Wirkungen hervorruft,
die konkrete, minimalistische und kinetische Vorbilder auf
virtuose Art miteinander verschränken und weiterentwickeln.
Heinz
Stahlhut, April 2004
(1) Hegel, Georg Wilhelm Friedrich: Vorlesungen über die Ästhetik.
Dritter Abschnitt: Die Romantischen Künste, aus der auf der
Grundlage der Werke von 1832-1845 neu edierten Ausgabe von
Eva Moldenhauer und Markus Michel, Frankfurt/Main 1970, Bd.
15, S. 31.
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