Galerie Gisèle Linder
Galerie Gisèle Linder GmbH
Elisabethenstrasse 54
CH-4051 Basel
Tel +41 61 272 83 77

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Renate Buser
 


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Print auf Papier, "Wienerstrasse 20", 2005, 265x210 cm

Print auf Papier, "Torre Catalunya", 2004, 65x97x25 cm Unikat

Die Straßenszene mit den Stromleitungen taucht noch ein zweites Mal - vergrößert und ohne Raben - in der Ausstellung auf, und zwar in eines der inneren Galeriefenster montiert. Wie in ihren früheren Arbeiten, die direkt mit der vorhandenen Architektur kommunizierten und diese virtuell transformierten, arbeitet Buser mit einem perspektivischen "Cut" durch den realen Raum. Anstatt jedoch Mauern transparent werden zu lassen und das Innere eines Raumes nach außen zu stülpen, verpflanzt Buser urbane Szenen von einem Ort zum anderen.

Sieht man durch das Fenster der Galerie Gisèle Linder nach außen, blickt man statt auf Basels Elisabethenstrasse in eine der engen Gassen Tokyos. Umgekehrt begegnet uns beim Blick von außen nach innen statt der frontalen Ansicht in den Galerieraum der Fluchtpunkt von Fassaden eines Berliner Hinterhofes. Mit ihren fotografischen trompe l'oeils verkehrt Renate Buser Innen und Außenraum, Volumen und Fläche, konkav und konvex, und fordert so unser Wahrnehmungsvermögen heraus. In der Arbeit "Torre Catalunya", einer T-förmig über Eck gestellten Fotografie, hat man das Gefühl, beim Vorbeigehen um den abgebildeten Hochhausturm herumzugehen, findet jedoch auf dessen vermeintlicher Rückseite wieder dieselbe Ansicht des Gebäudes vor. Ein höchst einfacher Trick, jedoch mit verblüffender Wirkung. Die großformatige Farbfotografie "Shinjuku/Omoide Yokocho" zeigt einen Getränkelieferanten, der an einer verwinkelten Kreuzung im "alten" Tokyo um die Ecke biegt. Die real erlebte Szene wurde von Buser dokumentiert und im Studio nachinszeniert. Die Arbeit ist Teil einer noch entstehenden Serie von Fotografien, die eine in Wirklichkeit unmögliche Perspektive - die gleichzeitige Wahrnehmung einer räumlichen Situation von vier verschiedenen Seiten - simuliert. Der virtuelle Raum wird bei Renate Buser zum realen Raum und umgekehrt, Inszenierung und Realität durchdringen sich, das Studio mutiert zur analogen 3D-Simulation. Die Architektur verliert ihre Statik und wird zu einer Art Guckkasten oder Panorama, animiert durch den Betrachter, der an dem Experiment teilnimmt.

Eva Scharrer
November 2005