Galerie Gisèle Linder
Galerie Gisèle Linder GmbH
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Renate Buser
 


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Print auf Papier, "Shibuya", 2005, 265x215 cm

Fotografie auf Barytpapier, "Nishi-Shinjuku", 2005, 102x80 cm (Ed 3)

Renate Buser: TOKYO

Renate Busers Arbeit könnte man als Hybrid zwischen Fotografie, Bühnenbild und Film bezeichnen. Ob sie Architektur mittels über Eck gestellter Fotografien in Bewegung versetzt, oder eine unmögliche räumliche Gleichzeitigkeit mittels analog bearbeiteter Fotos inszeniert - die Fotografie ist bei Renate Buser nie nur Abbild, sondern ein erweitertes Experimentierfeld, der Versuch, einem zweidimensionalen Medium eine räumliche und zeitliche Dimension zu verleihen.

Die in der Galerie Gisèle Linder gezeigten neuen Arbeiten sind während eines vierwöchigen Aufenthaltes in Tokyo entstanden. Wobei "entstanden" eigentlich das falsche Wort ist, denn Busers Fotografie ist das Produkt eines im wahrsten Sinne vielschichtigen Prozesses, der sich nach dem Fotografieren vor Ort im Atelier fortsetzt. Inspiriert wurde die Künstlerin, die sich in ihrer Arbeit schon seit Jahren mit Architektur und Fassaden, sowie den verschiedenen Möglichkeiten ihrer perspektivischen Transformation auseinandersetzt, durch die cineastischen Qualitäten der Architektur Tokyos. Urbane Utopien, wie wir sie als Kulissen aus Filmen wie Fritz Langs Metropolis oder Ridley Scotts Blade Runner kennen, begegneten Renate Buser in Tokyo real wieder. Das Neben- und Übereinander von hypermoderner Architektur und den verschachtelten historischen Vierteln mit ihren engen verwinkelten Gassen, Nischen und Zwischenräumen, gaben den Ausschlag für die Ausstellung TOKYO.

Ähnlich der Arbeit eines Location Scouts fotografierte Buser bestimmte Strassen, Plätze und Gebäude, die an Filmschauplätze erinnern, um sie dann selbst als Backdrops wieder zu verwenden. Schon die Aufnahmen vor Ort beinhalten eine zeitliche Dimension. Die Bilder wur den schwarz-weiß mit Grossbildkamera und langen Belichtungszeiten aufgenommen, um eine höchstmögliche Detaildichte zu gewähren. Flüchtige, narrative Momente wurden mit der Videokamera in Farbe eingefangen. Nachträglich bevölkert Buser ihre Fotografien nun mit lebendigen Props, die sich "live" in den fotografischen Kulissen bewegen. Die Art und Weise wie sie dieses tut, mag im Zeitalter von Photoshop und den Möglichkeiten digitaler Bildbearbeitung absurd archaisch anmuten. Doch genau diese unverhohlen analoge und bis zu einem gewissen Grad unkontrollierbare "Gemachtheit" der Inszenierung interessiert Renate Buser. Nachdem die Fotografien mittels eines speziellen Entwicklungsverfahrens zu Dimensionen von mehreren Metern vergrößert wurden, werden sie den räumlichen Verhältnissen angepasst, also so gehängt, dass die horizontale (in der Fotografie quasi heruntergeklappte) Ebene parallel zum Boden des Raumes verläuft. In der somit zum Bühnenbild mutierten Fotografie agieren nun Menschen und Tiere: Eine Ratte posiert monströs vor dem Tokyoer Fischmarkt, ein Rabe sitzt in einer Gasse auf einer Stromleitung - in Wirklichkeit ist es eine vor die Fotografie montierte Stange, die sich in den dahinter liegenden Kabeln geschickt tarnt. Diese tableaux vivants wurden erneut abfotografiert, diesmal jedoch in Farbe, was den verfremdeten Subjekt-Grund-Bezug noch verstärkt. Buser will uns mit ihren Montagen nicht hinters Licht führen, der Prozess bleibt, wenn auch erst auf den zweiten Blick, weitgehend transparent. Stellenweise sieht man noch den realen Raum hinter der Fotografie hervor-blitzen, oder die Nahtstellen der Fotobahnen. Auch die leicht verschobenen Größenverhältnisse in den Bildern evozieren surrealistische Momente und erfordern einen zweiten Blick.