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François Morellet

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| François Morellet
"Serpentant en haute tension", 2002, 4 quarts de cercle de néon bleu, corde 180cm 1 tranformateur, 7000 volts/25 ampères, hauteur 300 cm |
1926 in Cholet (Frankreich) geboren wo er lebt und arbeitet.
"Bilderstürmerische Geometrie und verunglückte Geometrie"
Die Geometriker wussten es seit jeher und ich ahnte es, brauchte jedoch 25 Jahre geometriemacher Tätigkeit, um es zu akzeptieren : man kann Geometrie nicht ‚darstellen'.
Ja, Stofflosigkeit und Unendlichkeit sind die Hauptqualitäten dieser Linien und Flächen, deren ‚ Porträt anzufertigen' meine Spezialität war. Natürlich wusste ich (und das nervte mich), dass für die meisten Kunstliebhaber der Hauptcharme dieser sogenannten geometrischen Bilder in deren Störfällen lag, sprich in dem was nicht mit Geometrie zusammenhing. Unregelmässigkeit, Textur, die Farbe der Linien und Flächen.
Ich dachte diese Liebhaber hätten Unrecht.
Derzeit ist meine Reaktion auf diese "Unfälle" sehr viel komplexer. Ja, ich weise alle Störungen, die von den Werkzeugen (zitternder Bleistift, sabbernder Pinsel, leckender Kanister, usw.) oder von den Oberflächen (Leinwandfalten, Holzvenen, Metallrost...) herrühren, zu-rück. Diese ganze Wissenschaft der handwerklich mangelhaften Ausführungen auf unange-messenen Materialien, dieser ‚Sinn für das Nachlässige', der den wiederverwertenden Umweltschützern lieb ist. Ich habe nicht vor der immer drückenderen Nachfrage seitens der Liebhaber raffinierter Störfälle kapituliert, aber ich habe die Hoffnung aufgegeben, reine, nicht darstellbare Geometrie einwandfrei darzustellen. Also, in der niederen, rachsüchtigen Haltung eines enttäuschten Liebhabers habe ich mich von meinem Sinn für eine andere Art fruchtbarer Störungen führen lassen, welche durch die sinnlose Begegnung zweier logischer Systeme zustande kommen.
Ja, ich mag diese Verkehrsunfälle der Information sehr! Kollisionen von Logiken, die nicht dazu gemacht sind sich zu begegen, oder widernatürliche Ankupplungen von gegenläufigen Denkweisen, letztlich alles, was der Intelligenz erlaubt, frei, edel und absurd zu existieren.
In diesem Sinne habe ich während der letzten 5 Jahre Freude daran gehabt, einige dieser Unfälle hervorzurufen. Ich habe, beispielsweise, die zwei traditionellen Systeme genommen:
- das System der Präsentation, das heisst der Unterbau (Mauer, Nagel, Schnur, Keilrahmen, Leinwand, usw.), der im Prinzip neutral ist.
- das System der Repräsentation, das heisst der künstlerische Eingriff (Zeichung, Malerei, Collage, usw.) der auf dem Unterbau fussend im Prinzip das Kunstwerk ausmacht.
Erster Störfall : ich habe beide System gleichwertig behandelt, indem ich ihnen dieselbe Funktion erteilt habe : zum Beispiel ein Quadrat darzustellen. Diese beiden Quadrate müssen übereinander gelagert werden und die Stellung des einen muss sich um ein paar Grad um die des anderen drehen. Klassisches Problem der klassischen Geometrie. Das Unterbau Quadrat hat eine gewisse Dicke und das Kunstwerk Quadrat ist weich.
Anderer Störfall : ich kehre die beiden Systeme um. Der Unterbau wird durch eine Stellung oder einen ungewöhlichen Einfallwinkel zum Kunstwerk, die Malerei hingegen ist nur dazu da, um die geringe Informaiton zu liefern, die normalerweise dem neutralen Hilfsmittel zu- kommt: Horizontale-Vertikale.
François Morellet
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